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  Erzbahn Kapitel 1 - LKAB, der größte Akteur, und seine Erzzüge

 
Wer in Skandinavien von der Erzbahn spricht meint DIE Erzbahn in Lappland von Kiruna nach Narvik bzw an die Ostsee. Allerdings gab es früher auch andere Gebiete in denen Erz gefördert und per Bahn abtransportiert wurde (In Betrieb ist in Norwegen noch die Grube Ørtfjell von der aus per Bahn ebenfalls mit speziellen Erzwagen Züge nach Mo i Rana) gehen. 
LKAB (Luossavaara-Kiirunavaara Aktiebolag) ist der mit Abstand größte Erzabbaubetrieb mit seiner Hauptgrube in Kiruna.
Die Bilder stammen fast alle vom interessanteren Teil der Strecke, dem sogenannten Nordumlauf von Kiruna nach Narvik.
 
Überblick
Der Hauptteil des Erzes wird im schwedischen Kiruna gewonnen und in Norwegen, in Narvik verschifft. Diese Strecke wurde 1891 fertig gestellt. Narvik wird von den Ausläufern des Golfstroms erreicht und ist daher ganzjährig eisfrei. Weiter gibt es eine Grube in Koskulskulle bei Malmberget/Gällivare. Das hier gewonnene Erz wird vornehmlich in die andere Richtung gefahren, nämlich nach Luleå an die Ostsee. Inbetriebnahme dieser Strecke 1895. Beide Streckenteile wurden 1903 miteinanader verbunden. An einer Stichstrecke dieser Verbindung liegt die erst später erschlossene Grube in Svappavaara. In den Jahren 1915 bis 1922 wurde die gesamte Strecke elektrifiziert. Die Strecke wird auch fortlaufend ausgebaut, müssen doch die Ausweichbahnhöfe der eingleisigen Strecke immerhin über 750 Meter lange Erzzüge aufnehmen können. Der von LKAB geforderte zweigleisige Ausbau nach Narvik ist dagegen nicht in Sicht. 
Natürlich stellt der Betrieb einer solchen Bahnlinie im Winter und vor allem im höher gelegenen Streckenabschnitt im Bereich der schwedisch-norwegischen Grenze und dann hinunter nach Narvik ganz besondere Anforderungen - von den enormen Zuglasten der Erzzüge ganz zu schweigen. 

Die Grubengesellschaft LKAB hat 1993 von den schwedischen und norwegischen Staatsbahnen den Transport in eigener Regie übernommen. 1996 wurde dann der Transportbereich ausgelagert und es wurde je eine norwegische und eine schwedische Transportfirma gegründet (MTAS bzw MTAB). Inzwischen heißt der Betrieb einheitlich LKAB Malmtrafik AB. Die Bahnstrecke selbst wird nach wie vor vom Infrastrukturbetrieb der jeweiligen Staatsbahn unterhalten. Auf der Erzbahn (Querverbindung Nordsee - Ostsee) findet auch "normaler" Güterverkehr, Erztransport anderer Gruben und Personenverkehr statt.
Das norwegische Teilstück umfasst nur ca. 50 km von der Grenze zu Schweden hinunter nach Narvik - ohne weitere Verbindung zum norwegischen Streckennetz, das sonst etliche 100 km weiter südlich in Bodö endet.
In Schweden hat die Erzbahn in Gällivare Anschluß an die Strecke der Inlandsbahn, in Boden schließt die schwedische Hauptstrecke nach Süden Richtung Stockholm sowie eine Verbindung nach Finnland an. 

Bedingt durch den fortschreitenden Erzabbau muss die Stadt Kiruna "umziehen". Bahnlinie und Straße wurden großräumig verlegt und auch die Stadt selbst musste Stück für Stück nach Nordosten umziehen. Das Abbaufeld erstreckt sich unterirdisch immer weiter unter die Stadt, die damit in Bereiche kommt, in denen sich die Erdoberfläche deformiert und absenkt. 
 

Fahrzeugmaterial Erzverkehr LKAB
Begonnen wurden der Erzverkehr mit Dampfloks und zweiachsigen Wagen, von denen jeder 25 Tonnen befördern konnte. Auch die netten drei-achsigen Erzwagen (Typ Mas) haben schon längst ausgedient. Mit den dann 4-achsigen Wagen erfolgten weitere Steigerungen der Transportmengen, sodass das Eisenerz über viele Jahre hinweg bis 2006 in 52-Wagen-Zügen befördert wurde; dabei brachte jeder Erzwagen leer 20 und beladen 100 Tonnen auf die Waage - die Züge wogen also 5200 Tonnen. Als Zuglok diente entweder die dreiteilige Dm3 (mit Stangenantrieb, 7200kw, Bj. 1960-1970) oder eine der zunächst 9 neuen IORE-Doppelloks (10800kw, Baujahr 2000-2004). Die 6 norwegischen El15, die in Doppeltraktion unterwegs waren, sind seit Ende 2003 nicht mehr im Einsatz - sie wurden Ende 2004 an das südschwedische Unternehmen HectorRail verkauft. Zusammengehalten werden die Erzzüge mit Mittelpufferkupplungen (Klauenkupplung) sowjetischer Bauart SA3. 

Verwendet wurden für die 52-Wagen-Züge ausschließlich 4achsige Selbstentladewagen, die speziell für die Erzbahn konstruiert sind. Im Regelfall waren das Wagen der Reihe Uad und Uadk mit 80t Zuladung (Gesamtgewicht 100t). Anfang der 1990´er Jahre wurde dann geplant, mit neuen Wagen und längeren Zügen die Transportmengen abermals zu erhöhen. Die neuen Wagen sollten jeweils 100t Erz zuladen können und in Zügen mit 68 Wagen (Gesamtgewicht der Züge damit rund 8160 Tonnen) verkehren. Die ab 2000 gelieferten IORE-Doppelloks waren die hierfür vorgesehene Traktion. 
Der Knackpunkt war die notwendige Erhöhung der Achslast von 25 auf 30 Tonnen. Seit ca. 2003 gab es zunächst zwei "Testzüge" der aus neuen Wagen Typ Uno, mit einem Maximalgewicht von 120t je Einzelwagen, bestand. Da sich diese in Südafrika gebauten Wagen jedoch nicht bewährten wurden 2005 erst einmal weitere 110 Wagen des bisherigen Baumusters gekauft (Typ Uadk).
2006 waren dann die Tests mit neuen in Schweden hergestellten 120t - Wagen erfolgreich. Ende 2006 wurden 680 (!) neue Wagen vom Typ F bestellt. Das Untergestell stellt Kokums/Malmö (K-Industries) her, den Aufbau macht "Kiruna Wagons" in Kiruna selbst.  Die Wagen werden jeweils als Paar fest mit einer Stange gekuppelt, das spart technische Ausrüstung bei den Bremsluftbehältern und Kupplungen.

Durch die IORE und die längeren Züge sollten die alten Dm3 komplett überflüssig werden. Bedingt durch den ersten Misserfolg mit den längeren Zügen, verbunden mit einem gleichzeitig deutlichen Anstieg der Erzproduktion, waren zunächst beide Loktypen mit den herkömmlichen 52-Wagen Zügen voll im Einsatz. Nur die 6 norwegischen El 15 konnten ausgemustert werden. Im Laufe des Jahres 2007 wurden dann im Südumlauf nach Luleå eigentlich nur noch die neuen 68-Wagen-Züge eingesetzt. Ende 2009 wurden dann die erste der vier weiteren bestellten IORE-Loks ausgeliefert. Inzwischen ist auch die Strecke nach Narvik (Nordumlauf) auf die neuen Achslasten und Zuglängen umgestellt. Die neue Entladeanlage wurde im Oktober 2009 in Narvik in Betrieb genommen. 
Die Stangenlok Dm3 wurde mithin zum Auslaufmodell, bis  die endgültige Umstellung der Zuggewichte auf 8160 Tonen im Jahr 2012 und eine weitere (dritte) Lieferung von 4 Doppelloks im Jahr 2013 diesem Klassiker zuletzt ein rasches Ende bescherte. 

Das Betriebswerk ist in Kiruna

Die ganze Geschichte ist im Eisenbahnmuseum in Luleå dokumentiert. ( Föreningen Malmbanans Vänner -  Norrbottens Järnvägsmuseum )
Die Erzwagen im Detail gibt es z.B. hier: <<< Link >>>

Bild im Großformat: einfach anklicken (öffnet in neuem Fenster)
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Zum Vergleich eine Ladung Erzpellets, 10 Erzpellets und eine norwegische 5 Kronen-Münze.

Mit diesen Dreiachsern vom Typ Mas begann 1902 die Produktion eigener Erzwagen in Schweden. Ähnliche, dann natürlich weiterentwickelte Wagen, waren bis 1986 im Einsatz

Ab 1968 wurden diese vierachsigen Wagen von Typ Uad und Uadp produziert und eingesetzt. 

 Vom Wagentyp Uad gab es verschiedene, teils durch Umbauten entstandene Varianten. Allen gemeinsam war das Eigengewicht von 20t und die Zuladung von 80t    .

In den 1990ern wurde die Erhöhung der Achslast auf 30t geplant 
Die im Dez. 2000 gelieferten neuen Wagen vom Typ Uno für 100t Nutzlast aus südafrikanischer Produktion bewährten sich aber nicht.
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 Um den kurzfristigen Bedarf zu decken, wurden dann 2005 erstmal weitere der bewährten 80t Wagen in Betrieb genommen,
die Gattung Uadk 

Mit den in Schweden ab 2005 entwickelten Doppel-Wagen vom Typ F 050   wurde dann erfolgreich das Ladegewicht auf 100t (später 110t) erhöht, was ein Wagengewicht von 120t (später 130t) ergibt. 

   Zugkraft waren seit den 1950er Jahren die zweiteiligen Loks der Reihe Dm oder deren norwegisches Gegenstück, die El12 - hier  El12-2119 abgestellt in Narvik-Malmporten im Jahr 2013 

Die Dm3 war die weiterentwickelte und um ein Mittelteil ergänzte Dm, sie war bis 2013 im Einsatz. Hier Dm1201+Dm3 1231+Dm 1202, fest gekoppelt, "Kunigunda" in Kiruna, Sommer 2005

Offiziell war Dm3 eigentlich nur die Bezeichnung für das Mittelteil
Dm-1224+Dm3-1241+Dm-1223 in Vassijaure, 2003
Zuggewicht 5200 Tonnen, 52 Wagen, 

Die Ablösung kommt: IORE-101+102 in Gransjö, Sommer 2003. Testbetrieb mit dem 68 Wagen Zug (Typ Uno) im Südumlauf nach Luleå. Zuggewicht 8160 t (!) 

Da sich die Uno-Wagen nicht bewährten, mussten die ab 2000 gelieferten IORE aus dem Hause Bombardier erst mal mit den alten Uad Wagen Vorlieb nehmen. IORE-115+116 in Torneträsk, 2005

Jetzt sind die neuen Wagen vom Typ F da, aber noch nicht genug IORE. "Kunigunda" auf dem Seedamm in Kiruna, Sommer 2009

Kopparåsen im Jahr 2013. Begegnung zweier 68-Wagen-Züge. Auch im Nordumlauf verkehren jetzt nur noch IORE mit neuen Wagen vom Typ F 050.mit 100t Nutzlast und mehr.

Ein Leerzug aus Narvik kommt in Kiruna an, Sommer 2013. IORE-127 gehört zum letzten Lieferlos aus dem Jahr 2013 

Norwegen hat die letzte Entwicklung der Stangenloks der Reihe Dm3 nicht mehr adaptieren wollen und hat statt dessen 6 moderne Drehgestellloks beschafft. El15-2196+2191 in Narvik, 2003

 El15-2194+2191 im Sommer 2003 in Kiruna. Mit 2x5400kw waren die Loks schon so stark wie die IORE. Sie schieden 2003 nach 36 Betriebsjahren aus und wurden von HectorRail übernommen 

Nochmal der Klassiker: Dm3 mit 52 Wagen unterwegs nach Narvik.
Dm-1215 bei Björkliden, Sommer 2007

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